VOC-Immissionsmessung in der Schweiz 2024

Einleitung

Im Jahr 2024 wurde in der Schweiz eine VOC‑Immissionsmesskampagne im Auftrag des Bundesamts für Umwelt (BAFU) und der Kantone durchgeführt. VOC (volatile organic compounds) sind flüchtige organische Komponenten (Kohlenwasserstoffe), also eine bunte Gruppe vieler gasförmiger Stoffe. Flüchtige Kohlenwasserstoffe werden bei biogenen und anthropogenen Prozessen gebildet. Grasland und Nadelwald gehören zu den biogenen, Verkehr und Lösungsmittelanwendung zu den anthropogenen Hauptquellen.

Viele VOC sind gesundheitsschädigend. Beispielsweise kann Benzol in hoher Konzentration zu schweren Vergiftungen führen und ist krebserzeugend. VOC tragen zudem zur Bildung von Feinstaub bei und gehören zusammen mit Stickstoffdioxid (NO2) zu den Vorläufersubstanzen der Ozonbildung in der bodennahen Grenzschicht der Atmosphäre.

Die Luftreinhalte-Verordnung (LRV) definiert Emissionsgrenzwerte für VOC-Emissionen aus Industrie und Gewerbe. Die kantonalen Massnahmenpläne Luftreinhaltung bestimmen allfällige zusätzliche Reduktionsmassnahmen. Die VOC-Messkampagne, welche alle fünf Jahre durchgeführt wird, dient dem Aufzeigen der Wirksamkeit der VOC-Reduktionsmassnahmen.

Die VOC-Messungen an 26 Standorten in elf Kantonen erfolgten mit Passivsammlern. Insgesamt wurden 40 VOC-Verbindungen untersucht, an einem Standort zusätzlich weitere 36 polare VOC. Zu den untersuchten Verbindungen gehörten u.a. Benzol, Toluol, Xylol, Hexan, Heptan, Octan, Pinen.

Resultate

Die höchsten Jahresmittelwerte für Benzol wurden in Birsfelden (2.56 µg/m³) und Baltschieder (knapp über 1 µg/m³) gemessen; alle übrigen Standorte lagen unter 1 µg/m³. Die Messung in Birsfelden fand direkt neben einem Tanklager, die Messung in Baltschieder in der Nähe eines Chemie-Unternehmens statt.

Bei Toluol zeigten sich grössere Standortunterschiede, mit Werten zwischen 6.68 und 0.51 µg/m³. Monoterpene traten vor allem an ländlichen Standorten auf, wobei dort die Pinene dominierten; in Städten war der Limonen‑Anteil erhöht. Limonen stammt hauptsächlich aus Reinigungsmittel, Kosmetika, Raumdüften. Die Abbildung 1 zeigt die Jahresmittelwerte der Summe aller gemessenen VOC am jeweiligen Standort in µg/m³.

Abbildung 1: Jahresmittelwerte der Summe aller gemessenen VOC am jeweiligen Standort in µg/m³ (Quelle: VOC-Immissionsmessungen in der Schweiz 2024, BAFU, 2026).

Durch die seit 1991 regelmässig durchgeführten Messkampagnen lässt sich die langfristige Entwicklung der VOC‑Immissionen darstellen (Abbildung 2). An vier langjährigen Stationen gingen die Immissionen ausgewählter VOC zwischen 1991 und 2024 um 89–93 % zurück. Auch in den letzten zehn Jahren wurden deutliche Rückgänge festgestellt (durchschnittlich 48 %, in Zürich Stampfenbachstrasse gegen 60 %).

Abbildung 2: Jahresmittel der Summe ausgewählter VOC in µg/m³ im Zeitverlauf pro Standort (Quelle: VOC-Immissionsmessungen in der Schweiz 2024, BAFU, 2026).

VOC‑Lenkungsabgabe

Diese Ergebnisse bestätigen die Wirksamkeit von Massnahmen im Verkehr sowie in Industrie und Gewerbe, einschliesslich der VOC‑Lenkungsabgabe. Durch die vom Bund im Jahr 2000 eingeführte VOC-Lenkungsabgabe wird eine Gebühr von 3 CHF pro Kilogramm VOC erhoben. Sie wird beim Import oder bei der Herstellung von VOC in der Schweiz fällig. Die Einnahmen aus dieser Abgabe werden über die Krankenkassen vollumfänglich an die Bevölkerung rückverteilt.

Eine Motion der Kommission für Umwelt, Raumplanung und Energie des Ständerates (UREK-SR) in 2024 verlangt eine Aufhebung der VOC-Lenkungsabgabe. Durch eine Aufhebung der Lenkungsabgabe müssten Produktevorschriften für Farben und Lacke erlassen und die Grenzwerte der LRV erhöht werden, um das Schutzniveau gemäss Umweltschutz-Gesetz (USG) einzuhalten. Eine abgeänderte Version der Motion mit dem Ziel der Erarbeitung eines Berichts zu möglichen Alternativen der Lenkungsabgabe wurde schliesslich im Nationalrat angenommen. Der Auftrag aus dieser Motion liegt aktuell beim Bundesrat. Das Schutzniveau gemäss LRV muss eingehalten werden, ob durch eine Weiterführung der VOC-Lenkungsabgabe als bewährtes Instrument oder durch eine Alternative.

Fazit

Trotz der positiven Entwicklung hin zu tieferen Emissions- und Immissionswerten besteht weiterhin Handlungsbedarf zur Reduktion von VOC-Emissionen: Insbesondere aufgrund zu hoher Ozon‑ und teilweise zu hoher Feinstaubbelastungen. Für beide Luftschadstoffe sind VOC massgebliche Vorläufersubstanzen.

Quellen

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