Luftbelastung der Bevölkerung im Kanton Zürich
Im Kanton Zürich ist die Belastung der Bevölkerung durch Luftschadstoffe gesunken. Grenzwerte sollen die Gesundheit schützten, bilden aber nicht mehr den Stand des Wissens zur Gesundheitsgefährdung ab. Luftbelastung ist auch unterhalb der aktuellen Grenzwerte gesundheitsschädlich. Dies betrifft noch fast alle Menschen im Kanton Zürich.
Abnehmende Luftschadstoffbelastung
Der Kanton Zürich umfasst die bevölkerungsreichste Region der Schweiz und ist ein Hot-Spot für Luftverschmutzung. Immerhin: der Ausstoss von Luftschadstoffen hat sich in den letzten Jahrzehnten verringert und die Luftqualität hat sich in den meisten Bereichen verbessert. Die durchschnittliche Belastung der Bevölkerung im Kanton Zürich durch Stickstoffdioxid hat sich seit dem Jahr 2015 halbiert. Für Feinstaub (PM10 und PM2.5) konnte sie um rund ein Drittel verbessert werden. Allein bei Ozon, welches unter der Wirkung von Sonneneinstrahlung erst in der Atmosphäre aus Vorläuferschadstoffen gebildet wird, gab es nur wenig Fortschritt.
Wie wird die Luftqualität bewertet?
Man unterscheidet bei der Beurteilung der Luftqualität zwischen der Kurzzeit- (Tages- oder Stundenwerte) und Langzeitbelastung (meist Jahreswerte). Die Luftqualität wird mit den entsprechenden gesetzlichen Grenzwerten der Schweizer Luftreinhalteverordnung (LRV) sowie mit den gesundheitsbezogenen Richtwerten der Weltgesundheitsorganisation (WHO) verglichen. Grenzwerte sind rechtlich verbindlich. Werden sie überschritten, müssen die Kantone Massnahmenpläne aufstellen. WHO-Richtwerte sind unverbindlich. Sie widerspiegeln den neuesten wissenschaftlichen Stand zum Schutz der Gesundheit. Die aktuellen Richtwert-Empfehlungen der WHO stammen aus dem Jahr 2021. In Bezug auf die Langzeitbelastung zeigen sie: gesundheitsschädliche Auswirkungen, die zu einer Verringerung der Lebenserwartung führen, beschränken sich nicht nur auf hohe Belastungen, sondern treten auch deutlich unterhalb der gegenwärtigen Schweizer Grenzwerte auf. Gemäss Umweltschutzgesetz sollen Menschen, Tiere, Pflanzen, Böden vor schädlichen und lästigen Auswirkungen der Luftschadstoffe umfassend geschützt werden. Daher wurden in der Schweiz die WHO-Richtwerte meistens nach einiger Zeit in Grenzwerte überführt. Die Eidgenössische Kommission für Lufthygiene hat daher 2023 dem Bundesrat eine entsprechende Anpassung der Grenzwerte empfohlen.
Übersicht über die wichtigsten Langzeit-Immissionsgrenzwerte der Schweizer Luftreinhalteverordnung (LRV) gegenüber den WHO-Richtwerten aus dem Jahr 2021.
| Metrik | WHO-Richtwert | LRV-Grenzwert | |
| Stickstoffdioxid | Jahresmittel | 10 µg/m3 | 30 µg/m3 |
| Feinstaub PM10 | Jahresmittel | 15 µg/m3 | 20 µg/m3 |
| Feinstaub PM2.5 | Jahresmittel | 5 µg/m3 | 10 µg/m3 |
| Ozon | typische Spitzenbelastung1 | - | 100 µg/m3 |
| mittlere Sommertagbelastung2 | 60 µg/m3 | - |
1 genaue Definition: 98%-Perzentil der ½-Stunden Mittelwerte eines Monats.
2 genaue Definition: Durchschnitt der maximalen täglichen 8-Stunden Mittelwerte der Ozon-Konzentration in den sechs aufeinanderfolgenden Monaten mit der höchsten Ozon-Konzentration im Sechsmonatsdurchschnitt.
Luftbelastung der Bevölkerung weiterhin ungesund
Während die Bevölkerung im Kanton Zürich über die Jahre zugenommen hat, sind immer weniger Menschen Belastungen durch Feinstaub und Stickstoffdioxid oberhalb der Grenzwerte ausgesetzt. Heute ist fast niemand mehr von Jahresmittelgrenzwert-Überschreitungen betroffen. Der Vergleich mit den WHO-Richtwerten zeichnet ein anders Bild. Die meisten Menschen im Kanton Zürich waren und sind ungesund durch Stickstoffdioxid belastet. Erst seit dem Jahr 2022 sinkt der Anteil etwas. Die gesamte Bevölkerung ist seit Jahrzehnten ungesund durch Feinstaub PM2.5 belastet. Die Ozonbelastung ist sowohl gemäss Grenz- als auch WHO-Richtwert anhaltend zu hoch. Immerhin: Seit einigen Jahren ist so gut wie niemand mehr ungesund hohen Belastungen durch Feinstaub PM10 ausgesetzt.
Obwohl also gegenwärtig im Kanton Zürich – ausser für Ozon – die Grenzwerte für die Bevölkerung eingehalten werden, sind fast alle Menschen im Kanton ungesund durch Feinstaub PM2.5, Stickstoffdioxid und Ozon belastet. Weitere Verbesserungen der Luftqualität sind nötig, um die Vorgaben des Umweltschutzgesetzes für den Schutz von Gesundheit und Umwelt zu gewährleisten.


